Nr. 19  1. November 1973 2. Jahrgang

Dr. Leopoldine Pelzl: Die Donau und ihre Landschaft in unserem Bezirk

Die Nordgrenze unseres Bezirkes bildet die Donau - eine großartige Naturerscheinung, ein Ausgang der Kulturentwicklung seit ältesten Zeiten. 776 km hat sie zurückgelegt, wenn sie bei Mauthausen in unseren Bezirk eintritt, in einer Länge von 45km durchfließt sie ihn und hat bis zu ihrer Mündung noch einen Weg von 2067 km vor sich. Breit und ruhig zieht sie dahin. Das bewirkte Menschenwerk. Ganz anders war die Donau in ihrer Urgestalt.   

 

In unserm Bezirk ist sie weit über 10 Millionen Jahre alt. Sie bildete sich aus der Verlandung und dem Abfluß des Meeres, das in der Tertiärzeit unser heutiges Alpenvorland bedeckte. In einem riesigen, versumpften Delta mündete sie damals ins Restmeer des Wiener Beckens bei Mistelbach. Die Schotter bei Öd sind Ablagerungen dieser Urdonau. Das Meer hatte hunderte Meter hoch abgelagert, meist Schlier. An seiner Küste entstand der kristalline Sandstein von Wallsee. Als sich im Zuge der Alpenfaltung das Land hob, mußte sich die Donau 250 m tief einschneiden. Leicht räumte sie den Schlier aus, dann kam sie auf den Untergrund des Meeresbodens, das Urgestein des Böhmischen Massivs. Kein Gestein darin ist härter als der Weinsberger Granit, aus dem es von Kollmitzberg bis Freienstein besteht. Aber die Donau mußte durch! Erst staute der Granit das Wasser im Machland, wo die Böhmische Masse tief abgesunken war. Endlich brach sich der Strom einen Weg, eng und gekrümmt. Der Granit lag zertrümmert im Strombett, das tosende Wasser verfing sich in seinen Felsen und Schluchten; so entstand der Struden, der Greiner Strudel und Wirbel.   

Inzwischen, hatte sich das Klima extrem gewandelt.


Tropisch war es zur Zeit des Schliermeeres - um 700.000 kam es zur Eiszeit. Die starre Kälte in der Tundralandschaft mag nicht wenig zum Bersten des Granits im Struden beigetragen haben. In der älteren, kälteren Periode der Eiszeit bildete die Donau mit ihren Nebenflüssen ein mächtiges Urstromtal auf den Höhen der Strengberge. Die ungeheuren Massen ihrer Ablagerungen sind bis auf die Kiesel meist verlehmt und bilden heute den fruchtbarsten Ackerboden. Die darunterliegenden Terrassen der späteren Eiszeit sind im Donau-Ennswinkel erhalten: tiefgründige Schotter, die heute willkommenes Baumaterial liefern und auch die besten Grundwasserträger sind. In den letzten 15.000 Jahren nach der Eiszeit lagerte der Strom bis zu 3 m Schotter, Sand und Schlamm ab. Er zerteilte sich im Becken zwischen Mauthausen und Ardagger in zahllose Arme; bei Hochwasser überflutete er das ganze Becken und verlegte beim Rückzug sein Hauptgerinne jeweils zwischen Perg und dem Steilufer unseres Bezirkes. Von der unwirtlichen Beschaffenheit des Beckens zeugen die Namen: Machland - früher auch der Name unseres Gebietes = "Im Ach-, d. i. Wasserland"; "Haufen" für Inseln und Auen: Sie entstanden auf Schotterhaufen; Neuschütt; Bruch kommt von brechen; "Holler" ist verwandt mit Hüll, ahd hulia = Sumpf; Marksee; Au; Albing = "Bei den Albern, d. i. Weißpappelleuten"; St. Pantaleon gilt als Helfer in Wassersnot. Meist spät und sehr zögernd entstanden bäuerliche Siedlungen auf den geringen Schwellen des Aubodens oder künstlichen Erhöhungen. Bei Hochwasser ging unendlich viel Hab und Gut verloren. In einem Rhythmus von 7 - 10 Jahren wechselt Hoch- und Niederstand des Wassers. Beim Hochstand kam es zu Überschwemmungen, 7 große allein im 19. und 7 auch im 20. Jh. Besonders im 14. Jh. wüteten die Hochwasser.   

1787 wurde Markt Ardagger, 1897 St. Pantaleon verwüstet. Verödet sind die Siedlungen Chop-el, Hart, Renning, Zainwörth und Zwieselkirchen im Gemeindegebiet Haag. Eine Römerstraße entlang dem Südufer ist weggerissen. Das alte Schloß Achleiten mußte aufgegeben werden. Ehemalige Gehöfte westlich von Wallsee sind heute überflutet. In der Hochau bei Markt Ardagger soll eine Kirche, die aus der Karolingerzeit stammt, im Strombett liegen. Bei Niederwasser bildeten schmale Donauarme für die Einheimischen kein großes Hindernis, so waren seinerzeit Häuser von Hagenau und Rotau in Saxen eingepfarrt, die jetzt der Strom von Oberösterreich trennt.   


Dennoch war für unsern Bezirk der Lauf der Donau - im Wasserdschungel der Niederung und zwischen den Felswänden des Strudens mit ihrem Neigungswinkel bis zu 45 Grad - der beste Schutz vor feindlichem Einbruch aus dem Norden. Zumal das Böhmische Massiv jenseits des Stromes bis ins Mittelalter fast unbesiedelt war. Alle historischen Wanderbewegungen von Norden her umgingen unseren Bezirk, und selbst vom Hussitensturm und dem Einfall der Schweden im Dreißigjährigen Krieg blieb er verschont. Gefährlich waren nur der Übergang bei Mauthausen, ferner die wegsame Bruchlinie, die NW-SO über Saxen am Westrand des Kollmitzberges verläuft, sowie eine weitere Bruchlinie, NO-SW über Sarmingstein zur Straße Freienstein - Viehdorf. Dort häuften sich auch die Festungsanlagen. Sie sind heute zum größten Teil nicht mehr erhalten. In St. Pantaleon, gegenüber von Mauthausen, zeigt das kleine, im 16. Jh. erbaute Schloß noch die breiten Wassergräben der einstigen Burg. Freienstein war eine Gründung der bairischen Grafen Sempt-Ebersberg auf Persenbeug. Sie waren bis zum Aussterben des Geschlechtes im Jahr 1045 die mächtigsten Herren in diesem Raum. Zu Ende der Babenbergerzeit war die wichtige Festung schon in den Händen der Landesfürsten. Ihre Wehranlagen erstreckten sich entlang der Straße nach Viehdorf bis Klein- Wolfstein. Ihr Burgbezirk reichte bis Neumarkt a. d. Ybbs und Ardagger. Jederzeit konnte sie den Donauverkehr sperren. Das benützten die Burgleute wohl auch, um von den Schiffen ungerechtfertigte Abgaben zu erheben. - Auch der Struden bot bei der Insel Wörth einen bequemen Übergang, wenn der Fluß dort vereist war, und das war häufig der Fall (etwa 1829-1870 23 mal 1-81 Tage, im Durchschnitt 10 Tage). Befestigungen weisen dort bis auf die Zeit 1200 v.Chr. zurück, namentlich bei dem nun gesprengten Hausstein; später waren dort vier Burgen, die auch der Sperre der Fahrtrinne dienten. 

 

Die Römer machten die Donau zur Nordgrenze ihres Reiches und sicherten sie durch eine Flotille, Signal-, später Wachttürme (erforscht bei uns bisher nur der von Engelberg) und im Machland durch ein Kastell für eine 500 Mann starke Hilfstruppe in Wallsee. Nach den Markomannenkriegen wurde jenseits der Donau ein 7 km breiter neutraler Grenzstreifen eingerichtet. Übermächtig lockten die Reichtümer der römischen Welt die germanischen Barbaren an! Damals blieb unser Bezirk nicht frei von feindlichen Einfällen, wie die vergrabenen Münzschätze von Klein-Erla (um 140 n. Chr. ) und Ennsdorf (um 270 n. Chr.) vermuten lassen. Das Kastell Wallsee wurde in der Mitte des 2. Jh. zerstört, vielleicht in den Markomannenkriegen. Im ganzen war aber doch hier bis zur Völkerwanderungszeit ein Raum des Friedens und Wohlstandes.
Eine Limes- (=Grenz-)straße begleitete in der Römerzeit die Donau in mehreren Trassen, sie war großartig angelegt und gebaut. Gerade durch sie kam es in der Völkerwanderungszeit zur völligen Verheerung des Landes bis zur Voralpenkette. Denn die Wanderscharen der Germanen aus Ost und West und die Hunnen benützten vorzüglich diese Straße und plünderten und brandschatzten ringsum. Entlang dieser Straße, die dann strata publica, Königs- oder Hochstraße hiß, vollzog sich aber auch der von Westen kommende Wiederaufbau im Mittelalter. 

Wichtiger war jederzeit der Wasserweg der Donau selbst. Er ist älter als jede Straße zu Lande. Ein Depotfund in Wiesen erlaubt den Schluß, daß man seit mindestens 3200 Jahren Fernfahrten unternommen hat. Auch war der Wasserweg der Straße immer überlegen. Denn ein Schiff fasst ungleich mehr, als ein Wagen oder gar ein Träger oder Lasttier befördert (ein "Kehlheimer" bis zu 40 Wagenladungen); der Transport mittels Ruderschiffen war trotz vieler Hindernisse im Strombett drei bis viermal schneller als auf der Straße. Zudem verfielen die Römerstraßen ohne daß man bis ins 11. Jh. neue geschaffen hätte, und nachher blieb der Straßenzustand bis ins 18 Jh. elend. Freilich war der Schiffsverkehr ungleich mehr mit Mautgebühren belastet. An unserem Ufer gab es keine rechtmäßige Maut. Das älteste Fernfrachtgut durfte auf der Donau das unentbehrliche Salz gewesen sein, es wurde zuerst aus Bayern und Salzburg, ab 1400 aus Gmunden und Aussee eingeführt. In Enns und Wallsee durfte es in mittelalterlicher Zeit entladen werden und kam auf dem "Ennser Flötzersteig" (Enns-Aschbach) und der "Salz-Straße" (Wallsee-Öd-Aschbach) in unseren Bezirk. Donauabwärts gingen ferner große Mengen von Holz und Holzwaren.

 

Vor dem Aufkommen der Bergfahrt zerlegte man am Ziel auch die Schiffe und verkaufte sie als Holz. Seit dem 12. Jh. waren die Flöße mit steirischem Eisen und mit Eisenwaren, meist Messern, beladen. Aus Süddeutschland brachten Kaufleute Tuch und Tuchwaren, später überseeische Gewürze und die mannigfachen Güter der aufkommenden Industrie Westeuropas. Schließlich verfrachtete man große Mengen von Pflastersteinen aus Mauthausener Granit. - Erst im 14. Jh. kam auf der Donau der kostspielige Gegentrieb, die Bergfahrt, auf: Zuerst Menschen, dann Gespanne von 9-60 Zugtieren schleppten die Schiffe auf dem Treppelweg stromaufwärts. Heute dient der Treppelweg zur Kontrolle der Uferverbauung. Bis gegen Ende des 17. Jh. gingen Unmengen von Wein ins heutige Deutschland. Nicht minder wichtig war der Getreidetransport nach dem Westen. Die größte Zeit des Personenverkehrs auf der Donau war die Epoche der Kreuzzüge. Denn diese bestanden nicht nur aus den wenigen allbekannten großen Fahrten, sondern es war ein dauernder, manchmal stärkerer, manchmal geringerer Strom von Einzel-Unternehmungen gegen das Heilige Land gerichtet. An der Donau brachte er einen wirtschaftlichen Aufschwung sondergleichen, es war die Blütezeit der Siedlungen am Strom. Die eindruckvollsten Ereignisse waren der Durchzug des Zweiten und Dritten Kreuzzuges unter Führung der deutschen Kaiser Konrad III. und Friedrich Barbarossa; Fürsten und viel tausend Ritter nahmen daran mit ihrem Troß teil, alle herrlich gerüstet. - Seit 1696 gab es einen geregelten Verkehr mit "Ordinarischiffen", 1838 trennte man den Personen- und Lastverkehr. 1837 kam von Wien herauf das erste Dampfschiff, und 1838 begann der regelmäßige Dampfschiffverkehr. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jh. war unsere Strecke stark befahren. In Linz passierten jährlich 200 000 Zentner stromabwärts und 300 000 Zentner stromaufwärts. Mit dem Bau der Westbahn 1858 - weniger der Donauuferbahn - schien die Wasserstraße zu veröden. Doch heute trägt sie wieder den internationalen Schwerst- und Massentransport: Kohle, Holz, Bausteine und Baustoffe, Erze und Düngemittel. Durchschnittlich fördert gegenwärtig l PS auf der Schiene 500, auf dem Wasser aber 4000 kg. Die Schiffe haben durchwegs Dieselantrieb. 10 - 12 Lastschiffe durchfahren im Tag unsere Strecke. Der Personenverkehr gewinnt durch die Type des Tragflügelbootes neue Impulse, es besitzt die hohe Geschwindigkeit von 60 km/h. 

 

Das schwerste Hindernis der gesamten Donaufahrt mußten die Schiffer in unserm Bezirk bewältigen: den Strudel und Wirbel. Das Wasser toste und schäumte um die Felsenriffe des Strudels, das "Gehachelt", dann prallte es auf den gewaltigen Felsen des Haussteines und drehte sich in rasendem Wirbel mit einem Trichter von 1,5 m Oberflächentiefe. Bei Niederwasser verunglückten die Schiffe im Gehachelt, bei stärkerem Wassergang gerieten sie in den Wirbel; die Trümmer trieben in der Freithofslacken am jenseitigen Ufer an. Ohne Lotsen kam man nicht durch die Gefahr. Dreimal mußte ein Schiff auf der Bergfahrt das Ufer wechseln. Betend durchfuhr man Strudel und Wirbel. Wenn sich aber der Schwarze Mönch auf den Felsen zeigte, war das Schiff verloren. Vom Gipfelstein in der Gemeinde Neustadtl schaut man hoch auf den Strudel hinab. Dort befand sich in prähistorischer Zeit eine Opferstätte. Eine andere war in Innerzaun, auf der Höhe des Kollmitzberges. Hier konnte man den Strom überblicken und zutiefst erleben: seinen schimmernden Lauf bis hinauf zum Luftenberg; die stillen Arme, die die Auen tränken; die verderbliche, beckenfüllende Flut des Hochwassers und die Urgewalt des Elements im Durchbruchstal. Auf dem Grund des Strudels fanden sich bei der Regulierung zahlreiche römische Münzen, mit denen die Schiffer dem Stromgott opferten. Noch bis ins späte Mittelalter wurden im Struden über Bord Gefallene nicht gerettet, weil der Stromgott sein Opfer haben mußte. In christlicher Zeit baute man dem hl. Nikolaus, dem Beschützer der Schiffer Kirchen in Mauthausen; vermutlich in der Hochau, vor dem ersten Hindernis, dem Katzenstein; in Hofkirchen bei Saxen, Markt Ardagger und St. Nikola. Bis 1913 wurde nach geglückter Durchfahrt eine Geldspende für das Schifferspital in St. Nikola eingehoben, an unserm Ufer zwischen Tiefenbach und Sand. In den Romanen "Ahnung und Gegenwart" und "Witiko" beschrieben Eichendorff und Stifter die Fahrt durch Strudel und Wirbel. Im 16. Jh. unternahm man einen ersten, völlig unzureichenden Versuch, das schreckensreiche Hindernis zu beseitigen; vieljährige Bemühungen unter Maria Theresia und Joseph II. brachten einige Erfolge.

Unter Kaiser Franz Joseph gelang die Regulierung nach dem das Brautschiff mit Kaiserin Elisabeth beinahe verunglückt wäre. Der Hausstein und die Felsen im Gehachelt wurden gesprengt. Völlig gefahrlos ist die Fahrt durch den Struden erst seit dem Stau für das Kraftwerk Persenbeug. 

 

Der Verkehr wich, wo es ging, dem Struden durch den Landweg aus. Dieser ging auf unserer Seite von Markt Ardagger nach Ybbs; er führte meines Erachtens nicht über Amstetten, wohin die Straße erst um 1870 angelegt wurde, sondern auf einer Altstraße über Viehdorf und Seisenegg, geschützt durch diese beiden Burgen. In der Zeit der Kreuzzüge dürfte Salvetar, Gemeinde Zeillern, ein Anlegeplatz gewesen sein. So berichtet die Tradition, und das besagt auch der Name: Salvaterra, das heißt ''Gesichertes Land". Bis 1734 war nämlich die Fahrtrinne ab Wallsee an unserm, dem südlichen Ufer.
Wohl an ihr entstand Empfing, die älteste Siedlung. Ihr Name, "Ansiedlung des Ampho", machte schon den ersten I-Umlaut (A wurde zu E) mit, der vor oder um 750 eintrat. Fortsetzung folgt!

Nr. 20 1. Dezember 1973 2. Jahrgang
Dr. Leopoldine Pelzl: Die Donau und ihre Landschaft in unserem Bezirk 

(Fortsetzung)
Ein uralter Anland- und Handelsplatz ist dank seiner Lage am Stromübergang und am Ausgangspunkt des Strudener Umgehungsweges Markt Ardagger. Es muß im Frühmittelalter große Bedeutung besessen haben, war wahrscheinlich von einer Burg beschützt und mit Privilegien ausgestattet. Sein Jahrmarkt, d.i. die Organisation des Handels im Mittelalter, dauerte bis zu zwei Monaten und wurde auch von süddeutschen Kaufleuten besucht. Kaiser Konrad III. weilte auf seiner Fahrt ins Heilige Land einige Tag dort. Markt Ardagger war auf dem besten Wege, eine von den ansehnlicheren Donaustädten zu werden. Auf einmal brach in der ersten Hälfte des 13. Jh. seine Entwicklung ab, seine Jahrmärkte hörten auf. Der Bischof von Freising, Ardaggers oberster Herr, dürfte das Marktrecht gegen die Zehente von Neuhofen und Ulmerfeld an den Bischof von Passau abgetreten haben. Der stattete damit Amstetten aus. Seine Verkehrsbedeutung verlor Ardagger, als der Wasserweg durch den Struden entschärft wurde. Bis dahin konnte es noch immer das "Goldene Marktl" genannt werden. Kaiser Heinrich III. hat an dem Landweg von Markt Ardagger nach Ybbs das Stift Ardagger für weltliche Kanoniker gegründet. Es war als kulturelles Zentrum gedacht. Doch haben seine Leistungen nicht an die der Orden herangereicht. Es sank schließlich zu einer Realpropstei herab (keine Kanoniker mehr im Stift) und wurde von Josef II. aufgehoben. Reich an erlesener Kunst ist aber noch immer die alte Stiftskirche. 

Das hohe Ufergelände des Beckens trägt Bauernsiedlungen seit der Jungsteinzeit. Abgesehen vom guten Boden und der bevorzugten Lage am Wasser ist im Beckengebiet auch das Klima besonders günstig, mit 240 Vegetationstagen und warmen Sommern. In den noch wärmeren Jahrhunderten des Mittelalters war es ein ausgedehntes Weinbaugebiet, wenngleich man diesen Wein heute nicht schätzen würde. Im Tegernseer Urbar von 1225 werden in Strengberg zwei "Weinzierl" (= Weinhauer) genannt. Dort trägt heute noch eine Flur den Namen "Weingarten". Die Terrassierung der alten Weingärten, sieht man noch besonders schön am Fuß des Kollmitzberges bei Markt Ardagger. Das mäßig ansteigende, sonnseitige Ufer von Öberösterreich ist allerdings wesentlich dichter besiedelt.

 

Der Abfall aus Schlier, es ist der Prallhang der Donau, trägt zumeist Wald; nur mehr zum geringen Teil ist es der angestammte Eichen-Hainbuchen-Wald. Vom Spätherbst bis zum Hochwinter deckt dichter Donaunebel das Land. - Früher war es großenteils in geistlichem Besitz, Freising war um Ardagger, Passau um Stephanshart und Kloster Tegernsee um Strengberg begütert. Das barocke Schloß Achleiten war der Sommersitz des Klosters Tegernsee. Als es nach 1800 in weltlichen Besitz kam, erhielt es mit einer klassizistischen Renovierung seine heutige, edle Gestalt.

Um 1130 stiftete Otto von Machland in Erla das erste Nonnenkloster, in Niederösterreich und versah es reichlich mit seinen Gütern am Südufer der Donau. Die Blüte des Klosters war um 1450. Umfangreiche, stilvolle Bauwerke sind aus dieser Zeit erhalten. Doch hatte das Frauenkloster auch unter mannigfachen Übergriffen zu leiden. In der Reformationszeit löst es sich auf; das Klostergut kam erst unter Joseph II. in weltlichen Besitz. Die Nonnen erbauten die Kirche von Rems im Donau - Ennswinkel, wahrhaft ein Kleinod spätromanisch-gotischer Kunst! - 1147 erhielten die Augustiner Chorherren von Säbnich-Waldhausen die Neustadtler Platte zu eigen. Sie haben zum Großteil diesen hochgelegenen Ausläufer des Böhmischen Massivs kultiviert und den Markt Neustadtl planmäßig gegründet. Die Neustadtler Platte hat lange Winter und nur an die 230 Vegetationstage. Sie ist noch immer reich an herrlichen Mischwäldern und gilt als einen der gesündesten Gegenden unseres Bezirkes.

Zwei Jahrhunderte hindurch war der Raum von Wallsee sehr bedeutend. In Sommerau hatte in der 2. Hälfte des 13. Jh. einer der mächtigsten Ministerialen Österreichs, Konrad von Sommerau, seine Burg. Er besaß darüber hinaus fast alle Burgen in unserm Donauabschnitt. Im Interregnum (der kaiserlosen Zeit) und wohl auch nachher war er Raubritter und sperrte und beraubte von diesen Burgen aus den Donauverkehr. Albrecht, der erste Habsburger in unserm Land, nahm sie ihm der Reihe nach ab. Konrad empörte sich, er wurde ein Führer des Landherrenaufstandes zu Ende des 13. Jh., aber er unterlag und mußte außer Landes flüchten. Seinen Besitz erhielten Albrechts Getreue, die schwäbischen Wallseer.

Auf dem Platz der damals schon verfallenen Sindelburg errichteten sie ihre Feste. Das Geschlecht nahm einen großartigen Aufschwung. Sie wirkten in den höchsten und einflussreichsten Ämtern und erwarben sich um den Staat große Verdienste. Ihr fürstlicher Besitz reichte vom Böhmerwald bis zur Adria. Die nördliche Hälfte unseres Bezirkes stand unter den verschiedensten Titeln durchaus in ihrer Herrschaft. Die Siedlung neben ihrer Burg, vorher wahrscheinlich Sindelburg genannt, durfte seit der Mitte des l4. Jh. ihren Namen Wallsee tragen.

 

Die Herren bauten sie nach den letzten Erfahrungen der Marktgestaltung aus, mit einem Längsrechteckplatz als Zentrum, wie sie ihn in ihrer schwäbischen Heimat kennen gelernt hatten. Wallsee bekam einen Landeplatz und ein ausgezeichnetes Marktrecht (wie es die Bürger der Städte ob der Enns besitzen). Es blühte auf im Rahmen einer fast modern anmutenden Wirtschaftslenkung, mit der die Herren von Wallsee ihren länderweiten Besitz zu nützen verstanden. Freilich geschah dies unter rücksichtsloser Mißachtung der Rechte von anderen Märkten in unserm Bezirk. Eigenmächtig war auch der Weinzoll, den sie in Wallsee von den durchfahrenden Schiffen einhoben. Schon im 15. Jh. verfiel das Geschlecht und verarmte rasch. Schließlich bemächtigten sich die Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. der wallseeischen Güter und vergaben sie, ohne die letzte Erbin zu entschädigen.


Die Herren von Wallsee fielen beinahe der Vergessenheit anheim. Auch der Markt war spätcr nur bekannt wegen seiner Erzeugung von Mühlsteinen aus Wallseer Sandstein. Die Schiffsanlandung wurde aufgelassen. Sie war die letzte in unserm Bezirk. Seitdem legt kein Schiff mehr an unserm Ufer an; wir können den Verkehr auf der Donau nur von ferne betrachten. Der Herrensitz wechselte vielfach den Eigentümer. Nach 1750 erwarb ihn Graf Daun, Maria Theresias siegreicher Feldmarschall. 1895 kam er an die kaiserliche Familie und sah wiederholt Kaiser Franz Joseph zu Gast. Jahrhunderte haben an dem Schloß auf steilen Felsen gebaut. Zuletzt erneuerten es Graf Daun und das Haus Habsburg-Salvator. Sein stolzer Anblick beherrscht unsern Donaustrand. - Freienstein verlor als Pfandgut der stets geldbedürftigen Landesfürsten seit Ausgang des Mittelalters immer mehr an Wert und Besitz. Als man um 1590 für die von den Türken bedrohte Bevolkerung Zufluchtstätten festigte, hieß es im Bericht: "Das Schloß Freyenstain ist seit 1556 in Abbau gekommen, zur Zeit nicht nur nicht bewohnt, sondern derzeit bei seiner Beschaffenheit kein Zuflucht zu machen; darum werden die Unterthanen nach Karlspach gewiesen". Es war in Wirklichkeit das Ende der Festung. Die Siedlung am Fuß des Burgfelsens war einst wohlhabend. Der große Schiffsmeister Feldmüller, wegen seiner Verdienste in den Kriegen um 1800 mit dem Titel "Admiral der Donau" geehrt, hatte hier einen Alterssitz.


1916 verwüstete das Dorf ein Wildwasser. Heute entstehen dort viele Wochenendhäuser. In der Türkenzeit warnte vom hohen Kollmitzberg ein staatlich angeordnetes Kreitfeuer die Bevölkerung weithin vor drohender Feindgefahr. In der Gegenreformation kam der Kollmitzberg noch einmal als Wallfahrtsort zu Bedeutung, durch seine Kirchenpatronen, die hl. Ottilie, die in Augenkrankheiten angerufen wird. Auch in St. Pantaleon belebte sich die Wallfahrt beträchtlich. Heute suchen viele die Kirche wegen ihrer Kunstschätze auf. Sie besitzt eine der ältesten, romanischen Unterkirchen; die gotische Statue des hl. Pantaleon ist berühmt. - Anstelle seiner absinkenden alten Kirche hat Stephanshart auf einem höchsten Punkt eine neue gebaut. Ihr ragender Turm ist zu einem Wahrzeichen unseres Ufers geworden. 

 

Zu Ende des 17. Jh. pries Wolf Helmhard von Hohberg, Herr auf Schloß Rohrbach bei Stadt Haag, in seinem Werk "Adeliges Landleben" die Donau: "Es ist unter den Lustbarkeiten der Wasser nicht die geringste, die schönen, anmuthigen und schattigen Auen, die allenthalben in unserm Donaustrom, theils nebenbey, theils aber in dem Schoß ihrer Werder und Insulen anzutreffen und zu sehen, darunter das Wildprete in der Sommerhitz seinen Stand und Weide, die Fische am Gestad einen erwünschten Unterstand und die Vogel obenauf ihre Nester, Zusammenkunften, Musiken halten, zu dem die Jäger und Waidleute zwischen dicken Gesträuchern ihren Vortheil finden, zu rechter Zeit dem Wildpret als auch den Endten und Wassergeflügel aufzupassen und desto leichter zu unterschleichen, die Fischer können mit ihren kleinen Kähnen und Zillen, darinnen sie ihre Zug- und Wurfnetze führen, überall die beste Gelegenheit ihnen erwählen, den Fischen, die in der Hitz gleichfalls den Schatten lieben, und suchen, desto bequemlicher beyzukommen; ich will geschweigen der guten und edlen Kräuter, die in den feuchten Orten ihren Aufenthalt haben." 


Seither hat sich die Donaulandschaft ganz wesentlich geändert. Zunächst wurde die Strom- und Uferkontrolle, die vorher den anliegenden Grundherrschaften oblag und oft schlecht genug besorgt wurde, von 1770 an mehr und mehr Sache des Staates. 1830 ordnete die "Wasserbaunormale" die öffentlichen und privaten Verpflichtungen, sie blieb bis in die neueste Zeit herauf in Geltung. 

Seither kamen die steinernen Uferschutzbauten und die Fixierung langer Uferstreifen auf bei gleichzeitigem Abbau stromspaltender Seitenarme. Damit verlandete viel nasser Auboden und wurde von den Eigentümern in Kultur genommen. - Das Strombett und die Altwasser begleiten Weiden-, Erlen- und Eschenauen. In den Erlenauen legt man zunehmend Bestände von Kanadapappeln an, die wegen ihres raschen Umtriebs ganz besonders wirtschaftlich sind. Sonst finden sich Wiesen und Felder, wie auf dem Hochufer. Nadelholz gedeiht hier nicht. Der Boden muß vielfach Humus erst anreichern. In den Auen gibt es seit alters "Rettungshügel", die dem Wild bei Hochwasser Schutz bieten. Dieses aber unterscheidet sich nach Art und Zahl kaum mehr von den Wildbeständen des Alpenvorlandes. Die Wasservögel verloren viele ihrer Brutplätze. In der schwach besetzten Reiherkolonie nisten merkwürdigerweise jetzt auch Störche. Zu nimmt die Zahl der Möwen.

 

Der Fischbestand krankt an der Verschmutzung des Wassers. - Durchstiche zur Regulierung der Fahrtrinne erfolgten bei St. Pantaleon und vor Ardagger. Man leitete die Strömung in einen Donauarm, sie verbreiterte und vertiefte dann selbst das neue Bett. - 1959 beendete die Donau-Kraftwerks-AG (zu mehr als 50 % in der Hand des Bundes) den Bau des großen Kraftwerks Ybbs-Persenbeug. Dieses staut das Wasser bis Wallsee auf. Ein Pumpwerk in Markt Ardagger sorgt für die Regulierung der Grundwasserverhältnisse. 400 000 m³ Schotter setzte die Donau an der Stauwürzel ab, er wird nun aufgearbeitet. 1968 folgte mit einem Kostenaufwand von 2,85 Milliarden Schilling das Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen, das jährlich 1.315 Millionen kWh ins Verbundnetz liefert. Es liegt zur Gänze in Oberösterreich, nachdem der Donaulauf um 700 m verkürzt und damit die alte sandreiche, unübersichtliche Schlinge bei Wallsee begradigt worden ist. Die Donau ist nun bis Mauthausen aufgestaut.

Ein Kraftwerk auf der Donau ist ein Mehrzweckbau Es schafft ideale Schiffahrtsverhältnisse. Dem 1350 Tonnen-"Europakahn" entsprechend, wird das Strombett durchwegs auf etwa 300 m Breite und 3-10 m Tiefe reguliert. Schon können auf dieser Strecke die personalsparenden Schubschiffe verkehren. Die Schleuse hebt und senkt die Schiffe bis zu 12 m. Sie ist für einen verzehnfachten Verkehr gebaut - in Hinblick auf den Europakanal (Rhein-Main-Donau), der 1982/83 vollendet sein soll. 8 m hohe Dämme sichern das Land vor Überflutung. 8 km stromaufwärts sind sie 2 km lang niedriger gehalten. Hier schießt bei Hochwasser die Flut in "Retentiorisräume", die es unterhalb des Kraftwerkes in den Strom zurückführen. Dadurch ist aber auch das gesamte Becken weitgehend vor Hochwasser geschützt. Im Zuge dieser Regulierung wurde die Mündung des Erlabaches 5 km stromabwärts verlegt. Schließlich führt über das Kraftwerk eine Brücke, die auch von Anrainern benützt werden kann. Bei Tiefenbach entstand zudem nach dem Kraftwerksbau, die langersehnte große Brücke und so suchen nicht nur schwanke Zillen, oder schwerfällige Fähren die gegenüberliegenden Ufer zu verbinden, sondern es braust das moderne Leben auf festen Straßen über den Strom und knüpft bereits mannigfache wirtschaftliche Verbindungen. 

 

Auf der ruhig dahinziehenden, beinahe seeartigen Donau und noch mehr auf den Altwässern hat sich alsbald ein lebhafter Wassersport entwickelt, entsprechend gefördert von den Gemeinden. Scharen strömen zu den Wochenenden von nah und fern herbei, im Sommer wie im Winter. Wann hat je unsere Donau so viele, fröhliche Menschen an ihren Ufern gesehen?